In meinen Beratungen für Haut- & Haarpflege lasse ich mir zu Beginn gerne von meinen Kunden erzählen, welche Produkte sie zur Körperpflege verwenden. Gemeinsam gehen wir dann die Inhaltsstoffe durch: Was bedeutet der Inhaltsstoff, warum wird er von den Herstellern eingesetzt und was macht er mit Deinem Hautorgan bzw. mit Deinem Körper.
Die Reaktionen reichen von „Das habe ich mir schon gedacht“ bis hin zu „das kann doch alles nicht wahr sein“. Nicht selten kommen die Menschen zur Erkenntnis, dass teuer nicht gleich gut ist und dass sie über 99% ihrer bisherigen Kosmetikprodukte am liebsten gleich im Mülleimer entsorgen.
Für meine Begriffe sollte pflegende Kosmetik reinste Nahrung für das Hautorgan sein. Wenn man schon Geld für Körperpflege ausgibt, dann doch immer mit dem Hintergedanken, dass man sich, seiner Haut und seinem Körper etwas Gutes tun will, oder nicht?
Auch in Bio- und zertifizierter Naturkosmetik findet man Inhaltsstoffe, welche nach meinem Verständnis nichts mit echter und authentischer Körperpflege zu tun haben, da sie leider i.d.R. mehr Schein als Sein und reine Suggestivkosmetik sind. Was bedeutet das?
- Sie täuschen einen Pflegeeffekt nur vor. In fast allen Produkten findet man bspw. Glycerin, welches Deinen tiefen Hautschichten Feuchtigkeit entziehen und an sich selbst binden kann. Dir steht diese Feuchtigkeit nie mehr zur Verfügung, aber auf der Haut fühlt sich das prall mit Wasser gefüllte Glycerin sehr gut an, erstmal… Auf Dauer schadet es jedoch der Haut, noch dazu ist es für den Hersteller einfach nur ein super einfacher (weil lange haltbar) und billiger Stoff aus der Biodieselindustrie, weshalb man besser ganz darauf verzichten sollte. Ein weiteres Beispiel sind aggressive Waschtenside wie Sodium Laureth Sulfath, welche zwar im Moment z.B. Schuppen beseitigen, langfristig die Kopfhaut aber nur noch mehr aus dem Gleichgewicht bringen.
- Die wenigsten Firmen nutzen aus verschiedensten Gründen keine kaltgepressten Wirkstoffe. Wenn nun der Inhaltsstoff nicht schonend (max. bis zu 40Grad erhitzt) verarbeitet wird, dann geschieht dasselbe wie wenn Du Dein Essen zu lange auf dem Herd kochst: Die Nährstoffe gehen verloren. Deshalb reicht es nicht aus, vom Ursprung her einen Bio oder Demeter Wirkstoff zu haben – auch die Verarbeitung muss passen!

Wenn Du wirklich echte Produkte mit Mehrwert für Dich und Deine Haut möchtest, habe ich einen ganz einfachen Ansatz für Dich:
Diese Punkte solltest Du bei der Wahl Deiner Naturkosmetik immer hinterfragen
- Werden kaltgepresste Wirköle / Inhaltsstoffe verwendet? (Wird normalerweise von den Herstellern auf der Website kommuniziert. Wenn nicht, ist es in den meisten Fällen auch nicht kaltgepresst – im Zweifel nachfragen)
- Ist das Produkt frei von Glycerin und Sorbitol?
- Bei Shampoos, Duschgels und Zahncreme: Ist das Produkt frei von aggressiven Waschtensiden (mehr Infos dazu findest Du unten in der Tabelle)
Allein mit diesen 3 Punkten lassen sich schon gefühlt 99% aller Produkte aussortieren – eine sehr traurige Bilanz wie ich finde.
Es gibt in Deutschland in der Kosmetikindustrie über 8000 zugelassene Inhaltsstoffe. Jedes Jahr kommen und gehen hunderte davon. Da ist es natürlich schwer, den Überblick zu bekommen und zu behalten. Folgend habe ich Dir deshalb eine Liste zusammengestellt. Sie beinhaltet die wichtigsten bzw. am häufigsten vorkommenden Inhaltsstoffe, welche m.E. in Pflegeprodukten nichts verloren haben. Ich hoffe, dass ich Dich dazu animieren kann, anhand dieser Liste einmal Deine Produkte im Badezimmer durchzugehen.
Diese Inhaltsstoffe gehören nicht in Deine Kosmetikprodukte:
| Inhaltsstoff | Was ist es? / Warum wird es genutzt? | Thematik | Tipp |
|---|---|---|---|
| Sodium Laureth Sulfat / Sodium Lauryl Sulfat | Waschtensid, macht sauber | Aggressive Tenside. Stehen in Verdacht, krebserregend zu sein. Hautreizend. Machen die Haut durchlässiger für Schadstoffe. Werden oft in Industriereinigern (Maschinenreiniger) verwendet und sind zu über 90% in Shampoos und Zahncremes enthalten. | Auf alles verzichten, was auf …Sulfat endet |
| Glycerin, Glycerol, Glycerinester, Sorbitol | Feuchthaltemittel, Weichmacher, Lösungsmittel | Schwächen die Hautbarriere und können die Haut von innen nach Außen austrocknen. | |
| Dimethicone, Dimethiconol, Methicone, Polyquaternium, Copolymer, Ethylene (…) Copolymer, Siloxane, Polyamide, Polyethylene, Polypropylene | Mikroplastik / Silikone / Kunststoff | Bilden Wasser- und Luftundurchlässigen Film auf der Haut. Haut wird abgedichtet und „erstickt“. Täuschen den Pflegeeffekt nur vor (Suggestivkosmetik). Können die Hautbarriere schwächen. Polyquaternium ist zudem hautreizend und kann mit Acryamid belastet sein, das als potenziell krebserregend und ergutverändernd eingestuft wird. Belasten die Umwelt (nicht abbaubar). | Auf alles verzichten, was auf …cone und …polymer endet |
| Phtalate (auch versteckt in Alcohol denat.) | Weichmacher | können Ursache sein für Fortpflanzungsstörungen, Asthma und Diabetes | |
| EDTA | Konservierungsmittel, Emulgator | Geht mit anderen Stoffen leicht Bindungen ein und kann dadurch bspw. Schadstoffe in den Körper einschleusen. | |
| Aluminiumchlorid, Aluminium Acetate, Aluminium Benzoate Aluminium Caprylate, Aluminium Chloride etc | Aluminium | häufig in Deos. Aluminium bzw. Aluminiumverbindungen werde in Verbindung mit Brustkrebs, Autismus und Demenzerkrankungen gebracht. | |
| Ethoxylate z.B. PEG (auch PEG-…), PPG, Polyethylene, Polyxyethylene, Polysorbate, -eth (Laureth, Ceteareth, Deteth, Tridiceth etc) | Emulgator / Schaumbildner | können ergutschädigend, fruchtschädigend und hochgiftig sein. Lokal betäubend (Juckreiz / Schmerz wird nicht mehr wahrgenommen). PEG bildet ähnlich wie Dimethicone einen undurchlässigen Film auf der Haut und täuscht den Pflegeeffekt nur vor. Es kann krebsverdächtiges Dioxan enthalten und die Haut durchlässiger für Schadstoffe machen. | |
| Paraffinum Liquidum, Vaseline, Mineral Oil, Petrolatum, Isoparaffin, Hydrogenerated Microcrystaline Wax, Mineral Spirits, Ceresin, Isohexadecane, Cera Microcristallina, Ozokerit | Mineralöle / Erdöle | Mit diesen Stoffen werden auch Benzin, Diesel und Heizöl hergestellt. Können keine Allergien auslösen, bieten keinen Nährstoff für Pilze, Keime etc aber auch keinerlei Mehrwert für die Haut -> Biologisch tote Stoffe. Bilden wasserundurchlässigen Film auf der Haut. Schadstoffe können eingeschlossen werden. | |
| Fluorid | soll Zähne hart machen | Häufig in Zahncremes. Kann sich im Körper anreichern, wirkt als Neurotoxin, wird mit Fettleibigkeit und Diabetes in Verbindung gebracht etc. | auf fluoridfreie Zahncreme zurückgreifen |
| Formaldehyde (auch Formalin, Formol, Formylhydrat) | Konservierungsmittel | krebserregend, kann allergieauslösend sein, Haut-, Atemwegs. oder Augenreizungen verursachen | |
| Parabene (Ethylparaben, Methylparaben, Buthylparaben etc.) | Konservierungsmittel | Hormonelle Wirkung. Steht in Verdacht, (Brust-)Krebs zu erzeugen. | Auf alles verzichten, was auf …paraben endet |
| Ethylhexyl Methoxycinnamate, Benzophenone 1, -2, -3 (Oxybenzone), -4, -5, Ethylhexyl Dimethyl PABA, , 4-Methylbenzylidene, PABA, PEG-25 PABA | UV-Filter | häufig in Sonnencremes zu finden. Hormonelle Wirkung. Ethylhexyl Methoxycinnamate kann Krebszellen schneller wachsen lassen und Allergien auslösen. | Auf Mineralischen Lichtschutz zurückgreifen. |
| Moschus Xylol, Moschus Keton, Galaxolid, Tonalid, Cashmeran, Celestolide | Synthetische Moschusverbindungen. Harmonisiert Parfumcocktail und sorgt dafür, dass der Duft lange hält | vor allem in Parfums, aber auch in Körperpflegeprodukten zu finden. Moschus Xylol kann sich im Körper anreichern (wurde in der Muttermilch, im Fettgewebe und Blut nachgewiesen). Steht in Verdacht, krebserregend zu sein (löste bei Mäusen im Langzeitversuch Krebs aus). Moschus Keton steht ebenfalls in Verdacht, krebsauslösend zu sein. | Problem: i.d.R. taucht auf dem Produkt nur die Sammelbezichnung „Parfum“, „Fragrance“, „Aroma“ oder „Flavour“ auf. |
Quelle und Buchempfehlung:
Wer mehr zu diesem Thema erfahren und recherchieren möchte, dem habe ich folgenden Buchtipp:
- Giftcocktail Körperpflege: Der schleichende Tod aus dem Badezimmer (von Marion Schimmelpfennig mit Vorwort von Rüdiger Dahlke)
- Das Buch von Helena Paulus von Relight Delight: Wenn Wissenschaft zu Schönheit wird (auch in meinem Online Shop)
Füllstoffe und der Haut nicht dienliche Stoffe – etwas ausführlicher erklärt
In herkömmlichen Kosmetikprodukten werden meist Füllstoffe und der Haut nicht dienliche Stoffe verwendet.
Dadurch kann der natürliche Stoffwechsel der Haut gestört werden.
Gerne kannst Du vor unserem Beratungsgespräch einmal schauen, welche davon in Deinen Pflegeprodukten enthalten sind.
Glycerin
Glycerine sind per se nicht gefährlich für den Körper. Allerdings sind sie wie ein Magnet für Wasser in Deinem Körper. Das bedeutet, dass sich das Glycerin auf deiner Haut, Wasser aus tieferen Hautschichten herauszieht und dich so austrocknet. Glycerin bindet Wasser und gibt es nicht an Deine Haut ab. Ob das Glycerin natürlich ist oder nicht, spielt hierbei keine Rolle. Du bindest damit deine eigene Hautfeuchtigkeit.
Info: Glycerine werden u.a. verwendet, weil sie sehr günstig sind. 1kg Bio-Glycerin kostet ca 1€. Bei vielen Kosmetikprodukten, welche ich mir angeschaut habe, stand Glycerin entweder sehr weit vorne auf der Inhaltsstoffliste (was bedeutet, dass ein sehr hoher Anteil davon enthalten ist) oder es waren gleich mehrere verschiedene Glycerine aufgeführt, oder beides. Wieviel Wirkstoff überhaupt in einer Creme enthalten ist, wenn man einmal alle Glycerine und sonstigen Füllstoffe wegrechnet und dazu evtl. keine kaltgepressten Bioöle verwendet werden, darf sich jeder selbst beantworten.
Tenside
Tenside werden auch als Emulgatoren bezeichnet. Sie entfetten stark, sind hochgradig reizend und zuständig für die Schaumbildung. Je höher die Schaumbildung eines Produkts, desto aggressiver wirkt das Tensid. Sie können die Haut durchlässiger für Schadstoffe machen und u.U. Allergien auslösen. Weitere Bezeichnungen für Tenside sind Sodium-Lauryl-Sulfat und PEG-Derivate (zu erkennen am Namensbestandteil „PEG“ oder „-eth“.
Silikone
Silikone werden u.a. aus Teilen von Erdöl gewonnen. Sie suggerieren einen Weichmacher und dichten sehr gut ab, d.h. du bekommst durch den Silikonfilm, welcher sich um die Haare legt, ein weiches, gutes Gefühl und gut durchkämmbare Haare, nachdem diese zuvor von Tensiden entfettet wurden. Hinweis: bei allen Stoffen, welche auf „kone“ enden handelt es sich um Silikonarten
Betäubungswirksame Stoffe
Wenn das Hautorgan durch Tenside gereizt wurde, muss sie wieder beruhigt werden. Hier kommen lokal betäubende Substanzen zum Einsatz, die an Haut und Schleimhaut wirken. Dies ist beispielsweise am Auge der Fall, so dass die Augen nicht brennen, wenn Shampoo ans Auge kommt. Der natürliche Reflex, die Augen zuzumachen, um sie vor schädlichen Stoffen zu schützen, wird hierbei aber auch ausgeschaltet. Betäubend wirken Konservierungsmittel oder Emulgatoren wie Phenoxyethanol, Laureth-9 und Steareth-21.
Ethoxylierung
PEG (Polyethylenglycol) und PPG (Polypropylenglycol) sowie alle Verbindungen, die auf „-eth“ (z.B. Lauteth, Ceteareth) enden, sind durch den chemischen Prozess der Ethoxylierung gegangen. Diese Stoffe machen unsere Haut unter anderem durchlässiger. Es findet jedoch keine Unterscheidung zwischen schädlichen und nicht schädlichen Stoffen statt, mit denen die Haut penetriert wird.
Ich wünsche Dir viel Freude mit wirklich nährender Kosmetik. Deine Samira
